Pressespiegel 2017

Musikpreis für Brigitte Fruth

Domkantorin für musische Bildung und europäische Werte ausgezeichnet

in Passauer Neue Presse vom 19. Oktober 2017

von Theresia Wildfeuer

PNP 19 10 2017 Musikpreis Fruth

Bild: Höchste Qualität und Innigkeit: Dr. Pankraz Freiherr von Freiberg (von links) und Jürgen Karl von der BI Konzerthaus sowie Stiftungsratsvorsitzender Prof. Dr. Walter Schweitzer zeichneten Brigitte Fruth mit dem Volker-Mangold-Musikpreis aus. − Foto: Wildfeuer

Die Stiftung "Europäisches Haus – Konzerthaus Passau" und die Bürgerinitiative Konzerthaus Passau e.V. haben Domkantorin Brigitte Fruth, stellvertretende Domkapellmeisterin und Organistin, in feierlichem Rahmen im Domchorprobensaal den Volker Mangold-Musikpreis verliehen. Der auf 2000 Euro dotierte Preis wurde zum 15. Mal vergeben.

Brigitte Fruth gab gleich zu Beginn zusammen mit dem Münchner Musiker Florian Sonnleitner (Violine), erster Konzertmeister beim Symphonieorchester des BR, eine faszinierende Kostprobe. Das Duo präsentierte höchst eindrucksvoll die kammermusikalische Violinsonate in G-Dur von Muffat.

Preise würden an Persönlichkeiten verliehen, die weit aus dem Rahmen des Üblichen herausragen und die es verdienen, für ihre außerordentlichen Leistungen gewürdigt zu werden, betonte Jürgen Karl, Vorsitzender der BI Konzerthaus Passau, vor rund 250 Besuchern, darunter Dompropst Dr. Michael Bär, Stiftungsratsvorsitzendem Professor Dr. Walter Schweitzer, stellvertretendem BI-Vorsitzender Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg, der Mutter der Preisträgerin Johanna Fruth und Bürgermeister Urban Mangold. Ziel des Volker Mangold-Musikpreises sei es, das Musikleben der Stadt und Region zu fördern, Anerkennung zu geben und zur Nachahmung anzuregen.

Die Passauerin Brigitte Fruth stehe für die Kirchenmusik wie keine andere, sagte Karl. Seit der Schulzeit habe sie eine breit angelegte musikalische Grundausbildung erhalten, die später am Leopoldinum instrumental und im Chor intensiviert wurde. Prägende Lehrer seien Toni Glas, Inge Reinelt, Hans Eichinger am Hauptinstrument Orgel und der damalige Passauer Domorganist Walther R. Schuster gewesen. Er und der einstige Domkapellmeister Monsignore Johannes Maria Mosler begeisterten sie auch für den Dom und die großen Liturgien, bei denen sie als Organistin in Hals und der Ilzstadt sowie im Domchor mitwirkte. Sie habe nach dem Abitur katholische Kirchenmusik und das Konzertfach Orgel an der Hochschule für Musik in München studiert. Ihre erste hauptamtliche Stelle erhielt sie in der Pfarrei St. Klara in München-Zamdorf. 2001 kehrte sie nach Passau zurück, um als Domkantorin und -musikassistentin die Dommusik zu gestalten.

Wenn Brigitte Fruth singe, sei das höchste Qualität und eine Innigkeit, die vor allem jene merken, die Musik lieben, schwärmte Karl, den die wohlklingende Stimme der Domkantorin fasziniert. Sie sei Stimmbildnerin, Chorleiterin in der Domsingschule und im Priesterseminar sowie im Diakonatskreis tätig und spiele Orgelkonzerte im Dom. Bischof Stefan Oster habe sie im Januar 2017 zur stellvertretenden Domkapellmeisterin ernannt. "Kennzeichnend für ihr Dirigat der großen Messen sind die geistige Durchdringung und die Vermittlung des Glaubensinhalts durch Wort und Musik", zitierte Karl Charakteristisches ihrer Arbeit. Es werde ihre "große Empathie für das Werk und die Menschen, die dieses zum Klingen bringen" hervorgehoben.

Fruth habe zudem von 2002 bis 2010 den Diözesanfrauenchor geleitet und mit kammermusikalischen und solistischen Auftritten im In- und Ausland erfreut. Sie engagiere sich im spirituellen Leben der Dompfarrei und des Pfarrverbands St. Paul ebenfalls. Wie sehr sie sich der Aufgabe verschrieben habe, Menschen mit den Mitteln der Musik für den christlichen Glauben aufzuschließen, zeigte auch die Aufführung von Krippen- und Singspielen mit Kindern der Domsingschule beim Seniorennachmittag mit Barbara Schreiner. Fruth erreiche wie wenig andere mit der Musik die Herzen der Menschen. Sie stelle "nicht ihren eigenen Ruhm, sondern die qualitativ hochwertige musikalische Gestaltung der Gottesdienste sowie die hervorragende Ausbildung ihrer Schüler in den Mittelpunkt ihres Musiklebens", las Karl aus der Urkunde vor.

Die Preisträgerin freute sich sehr über die Auszeichnung. Sie betonte, dass viele Menschen ihren musikalisch-künstlerischen Werdegang prägten, vor allem ihre Musiklehrer, die nicht nur Freude an der Musik, sondern auch höchstes Niveau vermittelten und dazu beitrugen, dass sie den Musikerberuf wählte.

Fruth bedauerte, dass Volker Mangold nicht mehr erleben konnte, dass sein Traum realisiert werde. In ihrer eindrucksvollen Rede zeigte sie auf, was ihn und die Konzerthaus-Stiftung und -Initiative bewegten. Gerade in einer Zeit, in der sich zeige, wie brüchig der Friede in Europa geworden ist, in der Sicherheit und Freiheit keine Selbstverständlichkeit mehr sind, spüre man, "dass wir auch selbst unseren Beitrag dazu leisten müssen". Das europaweite Erstarken rechtsradikaler Parteien müsse aufrütteln. Es gelte, Farbe zu bekennen.

Sie sei überzeugt davon, dass die Ausbildung von reifen Persönlichkeiten und die Stärkung ihrer eigenen Identität Grundlage einer gesunden Gesellschaft sind, sagte Fruth. Kunst, Musik, Bildung und Kultur, bei denen man gerne zuerst den Rotstift ansetzt, spielten hier eine wichtige Rolle. Sie befähigten zum Blick über den Tellerrand und förderten Völkerverständigung. Dies sei ein aktiver Beitrag zum Frieden in Europa. Sie erzählte, wie wichtig die künstlerische Ausbildung und christlich-humanistische Prägung für sie selbst war.

Die Konzerthausstiftung und -initiative bemühe sich auf ihre Weise, dem europäischen Geist einen Raum zu geben, damit Künstler sich entfalten, große Musik und große Gedanken unter die Passauer streuen und internationale Kontakte pflegen können, lobte Fruth. Es sei ein Glücksfall, dass der lang ersehnte Konzertsaal nach Rückschlägen nun im Zusammenhang mit der Erweiterung der Uni Passau in greifbare Nähe rücke.

Brigitte Fruth und Florian Sonnleitner ließen die Feier mit der Sonate Opus 1 b-Dur von Francesco Geminiani ausklingen. Fruth erläuterte anschließend auf der Orgelempore die Domorgeln. Ein besonderes Erlebnis war es für die rund 70 Zuhörer, die fünf Orgeln in einem Stück zu erleben.