Pressespiegel 2017

Die Idee vom Europäischen Haus ist zurück

Einstige Initiatoren und Antreiber begrüßen das von der CSU ins Spiel gebrachte "Remake"

in Passauer Neue Presse vom 8. Februar 2017

von Thomas Seider

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Bild: Oben Spitzberg, unten Konzerthauswiese – zwei mögliche Standorte. − Fotos: Jäger, Weber, Eckelt

Die Passauer CSU hat das "Europäische Haus" wieder ins Spiel gebracht. Beim Neujahrsempfang vor einer Woche erklärten Dr. Gerhard Waschler, Georg Steiner und Andreas Scheuer dem EU-Kommissar Günther Oettinger die Idee: Ziel dieser so wichtigen Entwicklung für Passau soll demnach nicht nur der Traum von einem Konzerthaus sein – sondern es gehe um eine weit darüber hinausreichende Einrichtung (wohl an der Uni), die Bildung, Forschung, Kultur und Kongress in sich vereint, mit Europa als Überschrift. Die einstigen Initiatoren eines Europäischen Hauses in Passau sind von der Neuaufnahme angetan. Sie sehen heute wie damals Europa als das Thema, das entscheidende Zugkraft in das Projekt bringt.

Vor 20 Jahren hatte Freyberg die Idee

Die Idee vom Europäischen Haus Passau hat Jubiläum, sie ist zwanzig Jahre alt. Im Frühjahr 1997 bekam der Stadtrat den Plan vorgestellt, Passau ein "neues Herz" zu geben, die Neue Mitte mit einem Konzert- und Kulturhaus als zentralem Element. Ein paar Monate später war dafür der Begriff "Europäisches Haus" geboren und 1998 Multimedia-Künstler André Heller mit der Planung beauftragt. Die Idee war, Europa sinnlich erfahrbar zu machen, auch um das Haus wirtschaftlich und inhaltlich besser darstellbar zu machen als einen reinen Konzertsaal.

PNP 08 02 2017 Konzerthaus CSU 2Bild: Pankraz von Freyberg

"Meine Idee war, das Europäische Haus mit der Aufgabe zu versehen, das Thema Europa auf geistige und spielerische Weise einer breiten Bevölkerung nahe zu bringen. Gerade im Hinblick auf das Spielerische haben wir uns damals für André Heller entschieden", erinnert der damalige Intendant der Europäischen Wochen, Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg, heute stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative sowie der Stiftung Europäisches Haus – Konzerthaus Passau.

"Wir sehen doch gerade heute, wie nötig so ein Haus ist und welche Riesenchance für Passau sich damit verbindet", bekräftigt Freyberg. "Als Initiator des Europäischen Hauses begrüße ich nachdrücklich, wenn die CSU dies aufgreift. Man darf nicht aufgeben, dass das beim jetzigen Vorhaben an der Uni erfolgen soll. Auch der Stadtrat sollte deshalb einmal grundsätzlich formulieren, dass er das möchte."

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Bild: Fritz Haydn

Vor 10 Jahren Scheitern beim Bürgerentscheid

Immer noch unter dem Titel Europäisches Haus erlitt lange nach André Hellers Ausstieg das Projekt Schiffbruch. Beim Bürgerentscheid 2007 – vor zehn Jahren, ebenfalls ein Jubiläum – wurde es mit 6800 gegen 5600 Stimmen abgelehnt. Damals war die Planung sehr auf den Konzertsaal zugeschnitten, von Europa war außer dem Namen und vielleicht der Internationalität auftretender Künstler inhaltlich nicht mehr viel drin. Wie das nun beim neuen Europäischen Haus sein soll, haben die Ideengeber der Passauer CSU noch nicht verraten. Jedenfalls soll im Zusammenhang mit den Neubauplänen der Universität auf dem Spitzberg die EU eingebunden werden, um ein Zentrum für Bildung und Kultur zu schaffen. Mit "europäischen Visionen hier vor Ort" umschrieben werden ein Zentrum für Bildung und Forschung, aber auch für Kultur und Kongress. Dazu passe zum einen die Universität als "europäisches Aushängeschild", zum anderen zahlreiche Europa-Aktivitäten in Passau.

PNP 08 02 2017 Konzerthaus CSU 4Bild: Jürgen Karl

Pankraz von Freyberg weiß freilich, dass das Europäische Haus der CSU nicht dasjenige sein wird, von dem er vor zwanzig Jahren sprach, und auch nicht jenes, das die Bürger vor zehn Jahren ablehnten. Als Herzstück steht für ihn aber weiterhin der Konzertsaal im Vordergrund: "Wir setzen unsere Hoffnung darauf, dass an der Uni ein Saal mit etwa 700 Plätzen und ausgesuchter Akustik entsteht. Das Europäisches Haus ist aber eine viel größere Geschichte als ein konzertfähiger Saal. Es sollte allerdings keine Ausrede dafür sein, diesen Saal jetzt erstmal nicht zu errichten, damit irgendwann einmal ein Europäisches Haus entsteht." Die große Chance für ein Europäisches Haus leitet Freyberg von der Grenzsituation Passaus ab und weil eben hier und nirgendwo sonst 1952 die Europäischen Wochen ins Leben gerufen wurden.

"Idee ist viel zu gut, um sie aufzugeben"

"Die Idee ist viel zu gut, um sie aufzugeben" – auch Jürgen Karl freut, dass die CSU die Idee vom Europäischen Haus aufgegriffen hat: "Wenn wir weiterkommen und das politisch voran getragen wird, ist es nur zu begrüßen." Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Konzerthaus hofft auf den Schulterschluss mit der Uni: "Wenn die Universität es ebenfalls als sinnvoll ansieht, das Thema Europa nach vorn zu tragen, könnten ja der Name des Saals und eben die Ziele eines Europäischen Hauses damit in Verbindung gebracht werden."

Die Konzerthaus-Initiative konzentriert sich auf eine Lösung im Rahmen der Uni-Erweiterung am Spitzberg. Hoffentlich steckt dies auch hinter der CSU-Idee, spekuliert Jürgen Karl. Er hält es für die einzig durchsetzbare Möglichkeit und versteht das neue Europäische Haus nicht als eigenständiges Gebäude.

Beim Stichwort Europäisches Haus wittert auch der frühere CSU-Stadtrat Fritz Haydn Morgenluft: "Das Thema ist heiß", sagt er. Haydn war Verfechter des Nutzungskonzepts eines Europäischen Hauses mit multikulturellem Anspruch. Dafür habe sich vor fünfzehn Jahren eine breite Vertretung von Politik, Kultur und Gesellschaft stark gemacht. Er hat Lust auf Wiederaufnahme: "Sicher ist die Konzeption von 2001 zu überarbeiten", das sei aber möglich. Er denkt an "einen "Entertainment-Spezialisten. Wir hatten damals auch einen aus Hamburg."

Träger und Fördergeber werde das Europäisches Haus jedenfalls nur gewinnen, wenn dahinter ein überzeugendes und breit getragenes Nutzungskonzept steht. Da heiße es Lehren zu ziehen aus dem Scheitern der Vergangenheit, meint Fritz Haydn: "Der Weg zu diesem sehr hoch gesteckten Ziel war und ist nicht einfach. In den Gremien wurde das Thema falsch angepackt. Man befasste sich nie mehr mit einem breitgefächerten Haus mit einem ansprechenden Nutzungskonzept." Diskutiert worden sei dann eigentlich nur: "ein Konzerthaus". Und darin sieht Fritz Haydn den Fehler, den es jetzt zu vermeiden gilt: "Denn dass es damit nur Befürworter und Gegner gibt, ist sonnenklar."