Pressespiegel 2013

Projektentwickler favorisiert den Fürstenbau

Passauer Neue Presse, 27.02.13, Passau Lokales Stadt

Michael Ehret: Bürgerinitiative Konzerthaus soll Diskussion um Konzepte beenden und Standortfrage klären
Für den Standort Fürstenbau Hacklberg hat Projektentwickler Michael Ehret bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative Konzerthaus plädiert. Er zeigte im "Bayerischen Löwen" auf, wo und wie ein derartiger Kulturtempel am schnellsten Realität werden kann.
Nach den Ausführungen von Prof. Florian Burgstaller darüber, wie ein Konzerthaus für Passau ausschauen könnte und einem Abend mit Paul Gessl über das Konzerthaus Schloss Grafenegg zeige die dritte Vortragsveranstaltung nun den Weg dazu auf, sagte Stadtrat Matthias Koopmann, Vorsitzender der Bürgerinitiative Konzerthaus. Ehret gebe Handlungsempfehlungen, denen man folgen könne und müsse.
Er wolle einen Entscheidungsvorschlag unterbreiten, sagte Diplomingenieur Ehret vor rund 80 Zuhörern, darunter die Stadträte Hildegunde Brummer, Sissi Geyer und Alois Feuerer, Unipräsident i.R. Prof. Dr. Walter Schweitzer, ZF-Ex-Vorstand Hans-Georg Härter und Kulturreferent Dr. Max Brunner. Ehret hatte die Standorte Fürstenbau Hacklberg, die Neue Mitte und das Löwenbrauereiareal am Spitzberg untersucht.
Der Fürstenbau befinde sich zwar in einer Stadtrandlage und Wohngegend, sei aber ein außergewöhnliches Gebäude, sagte Ehret. Für ein Konzerthaus dort spreche der zum Teil schön sanierte Bestand im Bereich der Brauerei, die die Konzerthausentwicklung unterstützt. Die Stadt wolle eine Aufwertung der Stadtteile. Als Risiko sah er die private Trägerschaft. Voraussetzung sei, dass die Diözese die BI unterstützt. Vorteile der Neuen Mitte seien die zentrale Lage, die große Fläche und attraktive Umgebung. Als Schwäche sah er die Parkplatzsituation und die politischen Pläne. Die BI solle sich auf den Standort Fürstenbau einigen, eine private Trägerschaft initiieren, dann in die Detailplanung einsteigen, einen Nutzer-Bedarfsplan und Wirtschaftlichkeitsnachweis erstellen, um sich Fördermittel von EU, Land und Bezirk zu sichern und dann eine Anstoßfinanzierung aus privaten Mitteln auf die Beine stellen. Es gelte in Bürgerforen mit Anliegern, Kulturschaffenden und Nichtmitgliedern die Pläne zu diskutieren sowie den Stadtrat einzubinden. Ehret riet, eine Projektgesellschaft als Träger zu gründen, Diözese, Brauerei und BI einzubeziehen, mit der Stadt Baurecht zu erwirken und einen Vorhaben- und Erschließungsplan zu erarbeiten. 65 000 Euro würden hierfür ausreichen.
Ehret erinnerte an die Entwicklung der Konzerthaus-Initiative, die sich 1991 gründete und 1992 mit Prof. Burgstaller einen Entwurf vorlegte. Sie befinde sich derzeit in einem Dilemma: Es gebe viele Diskussionen über Konzepte, jedoch kein Ergebnis. Die BI verlasse sich zu sehr auf den politischen Willen, doch bei der Stadt passiere nichts. Er schlug vor, den Standort so bald wie möglich zu klären und eine private Trägerschaft zu initiieren. Er stellte vergleichbare Städte und ihre Konzerthäuser vor: Ravensburg, das ebenfalls rund 50 000 Einwohner zählt, besitze ein altes barockes Konzerthaus mit 574 Plätzen. Heidenheim mit 48 000 Einwohnern verfüge über ein Kulturgebäude mit 1000 Sitzen. Baden-Baden habe 54 000 Einwohner und ein Haus für 2500 Konzertgäste, tue sich aber schwer, dieses zu füllen. Für Passau empfahl er ein Haus für 550 bis 850 Besucher. Dies könne deutlich günstiger werden als die ursprünglich genannte Summe von rund 15 Millionen Euro.
"Die Neue Mitte ist die einzig denkbare Konsequenz", sagte im Laufe der regen Diskussion Herbert Ratt; die Stadt müsse mitmachen. Ein Konzerthaus auf privater Ebene zu erstellen sei falsch. Auch die Stadt könne zur Verwirklichung des Konzerthauses eine GmbH gründen, entgegnete Ehret. Öffentliche Fördermittel gebe es aber auch für private Träger. Christian Flisek hielt es zwar für realistisch, die Stadt zunächst außen vor zu lassen. Doch alle Förderprogramme erforderten eine öffentliche Co-Finanzierung. Ehret antwortete, die Stadt solle sich vor allem beim Betrieb des Hauses einbringen.
OB Jürgen Dupper habe klar gesagt, es müsse eine private Initiative entstehen, die ein Konzept vorlegt, erinnerte Vorstandsvorsitzender Jürgen Karl. Man müsse auf privater Ebene aktiv werden, sonst passiere gar nichts. Koopmann verwies darauf, dass OB Dupper Hacklberg als Lösung "mit Charme" bezeichnet habe, auch Staatssekretär Dr. Andreas Scheuer habe sich positiv geäußert.
Stadtrat Alois Feuerer bezeichnete die Untersuchung von Ehret als "Witz". Die Parkplatzsituation am Exerzierplatz sei bestens, im Gegensatz zu Hacklberg stünden 3000 Parkplätze zur Verfügung. Es gebe nach wie vor einen gültigen Beschluss des Stadtrats für das Konzerthaus. Alois Burgholzer hätte sich von Ehret mehr Zahlen gewünscht, zum Beispiel über vergleichbare Städte und die Auslastung ihrer Konzerthäuser. Dies sei Gegenstand einer betrieblichen Detailuntersuchung und nicht seine Aufgabe gewesen, antwortete Ehret. Auch Ex-Stadträtin Ingrid Splitgerber hielt den Vortrag für zu wenig gehaltvoll.
Koopmann rief angesichts der anhaltenden Diskussionen die BI-Mitglieder auf, eine Entscheidung für einen Standort zu treffen. Gelinge dies auf der nächsten Jahreshauptversammlung nicht, lege er den Vorsitz nieder. Es sei in den letzten Jahren gelungen, das "emotional vergiftete" Thema Konzerthaus in ruhiges Fahrwasser zu bringen und realistische Perspektiven aufzuzeigen. Er wolle nun an die Umsetzung gehen und keine Traumhäuser planen. Prof. Dr. Jürgen Zehner regte eine schriftliche Abstimmung über den Standort bei der Jahresversammlung der BI an, was Koopmann begrüßte.
von Theresia Wildfeuer