Pressespiegel 2013

"Neues Opernhaus Linz lockt: passau wird abgehängt"

Passauer Neue Presse, 18.01.2013, Lokalteil Passau Stadt

Mit einem Opernhaus der Superlative schmückt sich Linz ab April. 1000 Sitzplätze groß, 180 Mio. Euro teuer. Intendant Rainer Mennincken will damit auch Menschen aus Ostbayern anlocken. Sinken die Chancen auf ein Konzerthaus in Passau, wenn in einer Entfernung von einer Autostunde eine solche Einrichtung öffnet? Matthias Koopmann sieht sich in seinen Warnungen bestätigt, wenn er auf das Linzer Haus blickt: "Es zeigt, dass rundherum hochwertige Kulturstätten entstehen und Passau abgehängt wird", sagt der Vorsitzende der "Bürgerinitiative Konzerthaus".

Diese Initiative kämpft auch nach der Abstimmungsniederlage 2007 weiter für ein Konzerthaus in der Dreiflüssestadt. In einem Bürgerentscheid stimmten damals 55 Prozent der wahlberechtigten Bürger (Wahlbeteiligung 31,5 %) gegen den Bau eines Europäischen Hauses in der Neuen Mitte. Was die Initiative im Umkehrschluss dazu bringt, hochzurechnen, dass 5700 Passauer sich für den Bau ausgesprochen hätten.
Als Oberzentrum müsse man so etwas haben, meint Koopmann und sieht das nicht nur aus künstlerischer Sicht, sondern auch aus wirtschaftlicher: "Bei der Niederlassung hochwertiger Unternehmen spielen ,weiche Faktoren' wie das Kulturangebot einer Region eine erhebliche Rolle. Das ist momentan vielleicht nicht für jeden eingängig, ist aber wirklich so."
Eine andere Sichtweise pflegen die Verantwortlichen beim Landestheater Niederbayern, zu dem auch das Passauer Stadttheater gehört. Pressesprecher Konrad Krukowski: "Wir beglückwünschen die Linzer Kollegen zu dem neuen Musiktheater und freuen uns mit ihnen. Jedes ,Mehr' an Kultur bedeutet auch für uns eine Bereicherung und Belebung." Das Landestheater Niederbayern verstehe sich als regionaler Anbieter und freue sich, über Jahre hinweg dank einer gleich hoch bleibenden Qualität einen großen Kreis von treuen Zuschauern an das Haus in Passau gebunden zu haben. "Eine ,Abwanderung' nach Linz befürchten wir also nicht", meint Krukowski.
Stadtrat Koopmann (ÖDP) dagegen schaut sich Investitionen in Passau oft mit dem Konzerthaus-Blick an. So auch den geplanten Tunnel durch den Georgsberg für Fußgänger und Radfahrer. Er hält eine solche Investition zurecht für umstritten, "das Geld wäre in einem Konzerthaus besser angelegt."
Sein nächster Schritt? Im Februar wird ein Entwurf präsentiert, kündigt er an, "ich bin schon gespannt auf die Einschätzungen." In dieser Amtsperiode bewege sich aber nichts mehr, meint der "Stadtfuchs". Nach der Kommunalwahl will die Initiative einen neuen Anlauf im neuen Stadtrat nehmen. dan