Pressespiegel 2011

Kehrt das Konzerthaus zu seinen Wurzeln zurück?

PASSAUER NEUE PRESSE, 13.12.2011, Franz Danninger

Das Konzerthaus ist tot − lang lebe das Konzerthaus! Seit voriger Woche ist klar: Das Museum der Bayerischen Geschichte wird nicht in der Neuen Mitte Passaus gebaut, sondern in der alten von Regensburg. Nun will auch die Bürgerinitiative Konzerthaus e.V. sprichwörtlich nicht aufs Zentrum der Stadt bauen. "Wir beleben die ursprünglichen Pläne für ein Konzerthaus in Hacklberg neu", kündigt Matthias Koopmann an, der Vorsitzende der Initiative.

PNP13-12-2011

Beim Fürstenbau in Hacklberg könnte nun doch ein Konzerthaus entstehen (Foto: Jäger)

Damit kehrt der Kultur-Verein zu seinen Wurzeln zurück. Nur ein Jahr nach seiner Gründung 1991 hat Architekt Prof. Florian Burgstaller aus München die Planung für ein Konzerthaus mit 1000 Plätzen vorgestellt. Es sollte in Verbindung mit dem Fürstenbau entstehen. Geschätzte Kosten: 15,3 Mio. Euro.

Da dieses Projekt damals nicht realisiert wurde, schlug die Projektgruppe "Konzert- und Kongresshaus" dem Stadtrat 1996 eine Studie über ein Konzerthaus mit 1400 Plätzen auf dem Kl. Exerzierplatz vor. Hacklberg sollte im Gegenzug sterben. Nach einigem Hin und Her − u a. wurde die Kapazität auf 800 Sitzplätze reduziert − gab es 2007 ein Ratsbegehren. 55 Prozent der wahlberechtigten Passauer stimmten gegen den Bau des Europäischen Hauses.

Der Stadtrat hat die immer noch freie "Konzerthaus-Wiese" dieses Jahr dem Freistaat Bayern angeboten. Damit wollte das Rathaus Pluspunkte sammeln, damit der Staat das "Museum für Bayerische Geschichte" darauf baut. Auch daraus wird nun nichts, Regensburg machte das Rennen.
Koopmann sprach gestern gegenüber der PNP davon, dass man sich einen anderen, zuverlässigen Partner suche. Einen, der nicht bei jeder erstbesten Gelegenheit die Basis der Planungsarbeit des Vereins an andere vergibt. "Wir können doch kein Fundament auf Treibsand errichten."

Den Hacklberger Fürstenbau hält Koopmann als sinnvollste Alternative zur Konzerthaus-Wiese. "Wir werden versuchen, die alten Planungen neu überarbeiten zu lassen", sagt er. Dass das keine Luftschlösser seien, wollen er und Vereinskollegen am 11. Januar Oberbürgermeister Jürgen Dupper in einem persönlichen Gespräch darlegen.

Dann geht’s weiter zum nächsten Entscheidungsträger, den man als Partner gewinnen möchte: Im Februar wollen Koopmann und Co. den neuen Intendanten der Europäischen Wochen, Peter Baumgardt, für ihre Idee gewinnen, ein Kulturzentrum mit 800 Plätzen zu schaffen. Diese Größe stellen sich die Kulturmacher als ideal für Passau vor, der richtige Schnittpunkt von Wunsch und Wirtschaftlichkeit.

Spätestens bei dieser Zahl ist klar, dass auch die Kirche St. Nikola als möglicher Standort wegfällt. Im Gespräch war sie am Freitagabend. Da stellte Studentenpfarrer Werner Kuchar den Vereinsmitgliedern in der Uni-Kirche St. Nikola die Idee vor, den Sakralbau zur "Kulturkirche" zu machen. Darunter versteht man ein Gotteshaus, in dem das Jazzkonzert ebenso stattfindet wie die Bildhauer-Ausstellung.

Die Kirche wird ab Januar saniert, bis zu drei Jahre lang ist sie dann gesperrt. Ein weiteres Hindernis wäre die Größe: Maximal 600 Plätze, davon einige auf Emporen oder hinter Pfeilern. Bald war man sich einig: Es ist ein ehrgeiziges Projekt, aber die Vorstellungen sind nicht vereinbar.