Pressespiegel 2008

Kultur und Klima

PASSAUER NEUE PRESSE, 31.10.2008, Stefan Rammer

An einen runden Tisch passen 120 Personen nicht mehr. So schön es ist, dass der Dialog zwischen Rathaus mit Kulturamt und Kulturträgern dieser Stadt fortgesetzt wird, so offensichtlich ist, dass in einer zu großen Runde effektiv nicht diskutiert werden kann. Doch zum Sammeln möglicher Defizite oder Wünsche, zur Klärung strittiger Fragen ist das Gremium durchaus hilfreich. Kultur hat was mit Klima zu tun, sagte der Literatur-Experte Karl Krieg (Passauer Pegasus).

Das Klima scheint gut zu sein. Vor dem Treffen hörte man munkeln, es werde wohl weitergehen mit herber Kritik an Kulturreferent Dr. Max Brunner. Weit gefehlt. Das ist gut so. Dass der keinen schlechten Job macht, attestierte ihm sein Chef. Der OB stellte sich gleich zu Beginn unmissverständlich hinter seinen Referenten. Und einer der ärgsten Kritiker Brunners, Walter Landshuter, hat das Kriegsbeil (zumindest vorübergehend) begraben, fand sogar Lob. Andere schwiegen ganz. Zur Streitkultur gehört notwendig auch Versöhnung. Das Klima für konstruktive Gespräche also ist günstig.
Unmissverständlich sind auch Jürgen Duppers Worte zum Konzerthaus. Sie sollten endlich auch von den Befürwortern eines solchen Hauses zur Kenntnis genommen werden. Dupper fühlt sich dem vor genau einem Jahr abgegebenen Votum der Bürgermehrheit verpflichtet. Diese hat das Haus abgelehnt. Das Thema muss nun behutsam in die Zukunft getragen werden. Das kann und wird Jahre dauern und neben tragfähigen Konzepten (Bespielung, Betreiber, Finanzierung) auch zusätzlich neue Köpfe brauchen. Ungeduld ist völlig fehl am Platz.
Für Neues scheint das Rathaus offen. Es soll mehr Leben in die Stadt, kein neues Bürgerfest, aber etwas, was für die heutige Zeit ähnlich gut ist, wie es die Bürgerfeste einst waren. Vielleicht bringt sich der nach wie vor umtriebige Fritz Haydn wieder ein. Nicht der kommerzielle Gedanke soll im Vordergrund stehen, sondern Ereignisse, Angebote, die die Bürger in die Gassen, auf die schönen Plätze bringen. Die Kunstnacht ist ein gelungenes Beispiel dafür. Und was aus verschiedenen Gründen in der Veste Oberhaus nicht möglich ist, hat vielleicht davor auf dem Thingplatz die Chance zur Realisierung. Die Stadt jedenfalls hat für dessen verstärkte Reaktivierung und Pläne ein offenes Ohr.