Pressespiegel 2008

 Gedankenaustausch mit Vertretern aus dem kulturellen Leben

 PASSAUER NEUE PRESSE, 31.10.2008, Franz Rammer

120 Vertreter von Vereinen, Veranstaltern und Machern des Kulturbereichs sind zum Kulturgespräch gekommen, etliche Stadträte gesellten sich zu der Runde, die längst nicht mehr an einen Tisch passt. Auf dem Podium saßen OB Jürgen Dupper, Bürgermeister Urban Mangold, Kulturchef Dr. Max Brunner und die Kulturamtsspitze Reinhard Wachtveitl und Rita Loher-Bronold. Das Gremium hatte Positives zu verkünden. Die Kulturzuschüsse steigen. Wurden 2008 347 000 Euro aufgebracht, sind für 2009 417 000 Euro vorgesehen.

„Kultur lebt vom Austausch, vom Dialog, auch vom Streit“, betonte OB Dupper. Er nannte gleich zu Beginn Dr. Max Brunner den „besten Kulturreferenten Niederbayerns“. Wer nun gedacht hatte, dies würde zum Widerspruch reizen, lag falsch. Scharfrichterhaus-Wirt Walter Landshuter setzte an - aber zum Lob. Und zwar für die „hervorragende Ausstellung“ der Münchner Schule im Oberhaus. Nur besser vermarkten hätte man die Schau müssen. Und aus Landshuters Mund einen Lobgesang auf die Neue Mitte zu hören, überraschte auch. Der Lobgesang stammte freilich nicht von ihm, sondern vom Münchner Künstler Georg Weiß, der beim Gang durch Passaus Neue Mitte des Lobes voll war, was Landshuter „sprachlos“ gemacht habe. „Entsetzlich“ fand Wolfgang Heinze von der Deutsch-Russischen Gesellschaft die Fassade der Stadtgalerie. Die Stadt müsse auf den Investor einwirken, hier was zu verändern. Erst einmal sei nichts mehr zu ändern, antwortete Dupper: „Das ist eine Frage der richtigen Reihenfolge“.

Ein Reizthema gab es: Volker Mangold vom Konzerthausförderverein forderte den OB auf, da anzuknüpfen, wo man vor zwei Jahren bei einem Gespräch schon gewesen sei. Dupper habe damals großes Interesse an einem Konzerthaus artikuliert und dessen Notwendigkeit betont. Das wollte der OB dann so doch nicht stehen lassen: „Aber nicht mit diesem maroden Konzept, das war meine klare Ansage.“ Er habe höchsten Respekt vor dem Bürgerentscheid, das Konzept sei einfach inakzeptabel gewesen. „Ich spintisiere nicht in die Zukunft. Da ist zu viel Erde verbrannt worden.“ Urban Mangold meinte, dass neu nachgedacht werden müsse: über neue Pläne, einen neuen Standort. Der Tenor im Saal war klar. Der OB hat recht, Volker Mangolds Argumente wollte zumindest am Mittwochabend kaum einer noch hören.
EW-Intendant Dr. Pankraz von Freyberg möchte wissen, wie viel Geld die Stadt schon in das Konzerthaus-Thema gesteckt hat: „Das müssen doch Millionen sein.“ Man müsse erklären, ob es Sinn mache weiterhin Energie zu vergeuden. Außerdem brach Freyberg eine Lanze für Volker Mangold. Der sei ein ehrenwerter Mann mit Mut, Dinge anzustoßen.
Nun sah Walter Landshuter sich bemüßigt, einmal die „Worthülse europäisch“ an den Pranger zu stellen. Das Wort sei gern benützt, aber meistens ohne Inhalt. „Was ist denn der Inhalt eines europäischen Hauses? Das hat nie jemand erklärt. Das Konzept war eine Ansammlung von Möglichkeiten.“ Passau als Mittelpunkt der Region brauche ein Konzerthaus. Er hoffe, dass Dupper und der Stadtrat hier eine neue Diskussion beginnen. Welche Probleme wurden noch angesprochen? Gabi Dorsch von den Konzertfreunden, denen ein Konzerthaus schmerzlich fehlt, hätte gerne Unterstützung beim Equipment für Konzerte, z.B. Stühle aus städtischen Räumen. Dr. Max Brunner und Norbert Täuber winkten ab. Das städtische Material z.B. in der Dreiländerhalle sei kein Verleihmaterial und zu wertvoll. Professionelle Verleiher könnten ihr Equipment günstiger abgeben als die Stadt.
Was nahm der Zuhörer noch mit aus der Sitzung? Dass die Stadt durchaus gewillt ist, angekaufte Kunstwerke in einer Ausstellung am Oberhaus zu zeigen (Anregung von Hubert Huber). Dass Kunstwerke im öffentlichen Raum mit Infotafeln versehen werden (Werner Reinisch). Dass man sich durchaus eine eingeschränkte Nutzung der Heilig-Geist-Kirche und kleine Maßnahmen vorstellen kann (Gisa Schäffer-Huber). Dass bessere Beratung in Sachen EU-Anträge im Rathaus möglich sein muss (Rudolf Klaffenböck). Dass schnelle Gelder aus Kulturtöpfen abrufbar sind (Karl Krieg), dass die Stadträume mehr bespielt werden sollen mit neuen Veranstaltungen, man für Vorschläge für Veranstaltungen am Thingplatz offen sei.

 Redoutensaal

Der kleine Redoutensaal war gefüllt: Am Podium stellten sich Urban Magold (v.l.), Jürgen Dupper, Dr. Max Brunner, Reinhard Wachtveitl und Rita Loher-Bronold den Fragen, Wünschen und Vorwürfen der reichlich erschienenen Vertreter kultureller Einrichtungen. (Foto: Köhler)