Pressespiegel 2008

Noch führt kein Weg zum Konzerthaus

PASSAUER NEUE PRESSE, 02.10.2008, Franz Danninger

Ob sie noch Freunde werden? Eineinhalb Stunden lang hat sich OB Jürgen Dupper am Dienstagabend die Argumente der Befürworter eines Konzerthauses angehört. Der Rathauschef ist Heinz Kellermann gefolgt auf eine weitschweifige Zeitreise, welche Säle bereits gebaut und wieder abgerissen, wie viele Pläne geschmiedet und schließlich verworfen wurden. Er hat die nahezu flehend vorgetragenen Argumente von Volker Mangold gehört und die betenden Hände von Freiherr von Freyberg gesehen.

Der Präsident der „Stiftung Europäisches Haus“, der EW-Intendant und einige andere Redner beschworen eindringlich die Notwendigkeit eines solchen Hauses im Allgemeinen und eines möglichst großen und schönen im Besonderen. Eineinhalb Stunden lang. Und dann trug Dupper das ganze schöne Gedankengebäude bis auf die Grundmauern wieder ab. In sechs Minuten.
Der OB war in die Höhle des Löwen gegangen. Denn die 50 Gäste, die sich am Dienstagabend im Ratskeller versammelt hatten, berieten in erster Linie, wie es denn aussehen solle, das Europäische Haus in Passau, waren also in der großen Mehrheit Befürworter. Reichen 800 Sitzplätze? Müssen es 1200 sein oder nicht doch besser 1500? Soll der alte Plan, ein Konzerthaus auf dem Gelände der Brauerei Hacklberg zu errichten, reaktiviert werden?
Daten und Argumente füllten den Ratskeller. Pro und pro und pro. Das einzige Datum, das Dupper nannte, war der 21. Oktober 2007. An diesem Tag hatten die Passauer das damals vorgeschlagene Europäische Haus in der Neuen Mitte per Bürgerentscheid beerdigt - „trotz einer Materialschlacht“ der Befürworter, wie Dupper meinte.
Die Freien Wähler hatten Mut bewiesen, den OB zu diesem Abend einzuladen. Denn es war just dieser Jürgen Dupper, der vor gut einem Jahr ganz vorne gegen dieses Europäische Haus gekämpft hatte. Und dann lief es doppelt schlecht für sie: Erst verlor man den Bürgerentscheid und fünf Monate später gewann Dupper auch noch die OB-Wahl.
21. Oktober 2007. „Das ist das entscheidende Datum und alles, was davor war, kann kein Passauer mehr hören, das hängt allen zum Hals heraus“, konstatierte der OB, der den Mut der Freien Wähler unter anderem damit belohnte, dass er bei deren Veranstaltung von Arroganz sprach. Arroganz all derer, die meinten, sie könnten nahtlos an die alten Pläne anknüpfen und damit den Bürgerentscheid negieren.
Heinz Kellermann hatte vorher die Durchführung dieses Bürgerentscheids kritisiert: „Der Stadtrat entscheidet und nicht 31 Prozent der Bürger.“ Er spielte damit auf die Wahlbeteiligung vor einem Jahr an. Eine andere Stimme sprach von „absurdem Theater“. Volker Mangold pflichtete bei, dass es eine schlechte Idee sei, in Kulturfragen das Volk zu fragen. Er zitierte das Beispiel Münster (270 000 Einwohner). Dort entschieden auch die Bürger über ein Konzerthaus mit Gesamtkosten von 35 Mio. Euro (Passau: 25 Mio.), von denen bereits 19 private Mio. zugesagt gewesen seien. Ergebnis: 70 Prozent stimmten dagegen. Mangolds Lehre daraus lautet „egal, was es kostet, es ist bei einer öffentlichen Abstimmung zum Scheitern verurteilt.“ Für Freiherr von Freyberg wäre es Barbarei, Passau ohne Kulturhaus zu belassen. Und überhaupt war es in seinen Augen schlechter demokratischer Stil, eine Handvoll engagierter Bürger jahrelang an Konzepten arbeiten zu lassen und dann zu sagen „April, April - wird nix!“
So etwas kam nicht gut an bei Dupper. „Wir sollten bei unserer Wortwahl aufpassen.“ Barbarei, schlechter demokratischer Stil, absurdes Theater - „geht’s eine Nummer kleiner?“ Es ging. Diskussionsleiter Alois Feuerer von den Freien Wählern und Stadtrat Matthias Koopmann mühten sich, Brücken zu bauen. Um den Grundsatz müsse man erst einmal reden, bevor Details besprochen würden.
21. Oktober 2007. An diesem Pflock machte der OB alles fest. Nur ein völlig neues, ein tragfähiges Konzept für den Bau und vor allem den Betrieb habe eine Chance, Stadtrat und Bürger zu überzeugen. „Mir wird heute noch schwindlig, dass die Event GmbH das betreiben soll. Dieses Projekt braucht Glaubwürdigkeit.“

Allein auf weiter FlurAllein auf weiter Flur steht Volker Mangold auf der Wiese, auf der das Konzerthaus als Seele der Neuen Mitte stehen sollte. Die Bürger wollten es anders und entschieden dagegen, was die „Stiftung Europäisches Haus“ und ihren Chef aber nicht daran hindert, es noch einmal zu probieren. Aber OB Dupper zieht in dieser Form nicht mit. (Foto: Geisler)